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© SHF / Stephan Falk
Ein Haus in Quittengelb

2019 M04 30

Ein Haus in Quittegelb

von Bernhard Wolter

»Quittegelb« leuchten die neuen alten Schlossfassaden am Lustgarten, seit die Gerüste fallen. Eigentlich ein schönes Zusammenspiel von Wort und Bild, denn – mal ehrlich – wer kennt noch das Aussehen (und den Geschmack) von Quitten?

Genauso wenig bekannt ist, wie das Berliner Schloss vor 300 Jahren ausgesehen hat. Insofern gleicht die Festlegung des Farbtons des Putzes für die Rekonstruktionsfassaden am Berliner Schloss fast einem Detektivroman. Farbige historische Darstellungen gibt es von dem barocken Profanbau, dem Meisterwerk Andreas Schlüters, das er für Friedrich I., König »in« Preußen um die Jahrhundertwende von 1700 schuf, eher nicht.

Einigermaßen detail- und farbgetreue Abbildungen des Berliner Schlosses finden sich erst auf den Gemälden des Biedermeier-Malers Eduard Gärtner aus dem Anfang des 19. Jahrhunderts, der verschiedene Stadtpanoramen anfertigte, auf denen auch das Schloss zu sehen ist. Von ihm stammt ein berühmtes Bild vom Schlüterhof. Aber zu dieser Zeit war das Barockschloss auch schon über 100 Jahre alt. Älter sind z.B. Radierungen von Johann David Schleuen um 1750, aber die sind nicht koloriert. Die originalen Bauunterlagen sind nicht erhalten. Was also tun, um die originale Farbgebung von vor 300 Jahren herauszufinden?

Natürlich gaben die Schlösser des französischen Sonnenkönigs Louis XIV in Versailles das Vorbild für die erste preußische Königsresidenz in Berlin und lassen also auch Rückschlüsse auf dessen Farbgestaltung zu. Doch verlässliche Informationen sind das alles nicht – und nur zum Vergleich: Das barocke Zeughaus gegenüber wie das Rokoko-Schloss von Knobelsdorff in Potsdam tragen einen rosafarbenen Putzanstrich. Wonach sich also sicher ausrichten bei dieser schwierigen Frage?

Einer von insgesamt sechs Eingängen
Dachgeschoss und Balustrade
Barock und Moderne

Vorlage für die jetzt verwendete, hellgelbe Silikatfarbe bildete ein einzig noch vorhandener Farbbefund an einem originalen Putzstück, das sich im Schloss Charlottenburg anfand. Dieses originale Fundstück konnte mithilfe eines restauratorischen Gutachtens auf etwa 1820 datiert werden. Die Entscheidung zur Farbgebung der rekonstruierten Schlossfassaden passt damit zu der nicht »gefassten« Verwendung des Sandsteinmaterials in derselben Bauepoche. Damit ist gemeint, dass die Natursteinelemente an den Fassaden nicht angestrichen werden, wie das im Barock durchaus üblich war.

Zu dem insgesamt stimmigen Fassadenbild gehören aber noch viele weitere Details, die erst kürzlich ergänzt wurden. So spielen nun einige der Göttinnen des Ruhmes (Famen) in den größeren Skulpturenensembles über bestimmten Portalen mit Posaunen und Fanfaren aus Metall. Die Vergoldungen sind jetzt fast vollständig. Nur noch die Balkonbrüstungen im Schlüterhof wie über dem Lustgartenportal 5 fehlen noch. Auch die sogenannte Große Kartusche unter der Kuppelrotunde an der Westfassade und die Kupfereindeckung der Kuppel stehen noch aus. Schließlich wird die Kuppel oben eine sogenannte Laterne erhalten, die dann selbst noch einmal durch ein vier Meter hohes Kreuz gestalterisch abgeschlossen wird.

Dieses Kreuz gehört zu dem ursprünglichen Programm der Fassadenrekonstruktion, wie es der Architekt schon in seinem Wettbewerbsentwurf 2008 vorgeschlagen hat. Seinerzeit wies das Kreuz auf der erst Mitte des 19. Jahrhunderts errichteten Kuppel darauf hin, dass sich darunter die neue Schlosskapelle befand. Friedrich Wilhelm IV. hatte bekanntlich die alte »Erasmus«-Schlosskapelle in der südöstlichen Gebäudeecke von Schinkel zu seinen privaten Wohn- und Arbeitsräumen umbauen lassen. Natürlich symbolisierte das Kreuz auch die Verbindung Preußens mit dem Protestantismus. Als Grundlage unseres westlichen Wertekanons kann das Kreuz auf dem Humboldt Forum auch heute noch gesehen werden.

Bernhard Wolter hat Germanistik und Politologie sowie Architektur studiert und sein Berufsleben der Vermittlung von Bauen und Architektur gewidmet. Zunächst in der Berliner Wohnungswirtschaft tätig wechselte er in den 90er Jahren zur Bundesbaugesellschaft Berlin mbH. Nach einer Übergangszeit beim Bundesamt für Bauwesen und Raumordnung war er ab 2009 von Beginn an bei der Stiftung Humboldt Forum mit dabei. Bernhard Wolter leitet dort die Stabsstelle Presse und Öffentlichkeitsarbeit.

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