Humboldt Forum
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© SHF, digitale Reproduktion: Jester Blank GbR
Wegeleitssystem

2019 M05 15

Der Palast der Republik im Humboldt Forum

Ein florales Wandrelief, zwei Eisbecher aus der Milchbar, ein beleuchtetes Wegeleitsystem und die gläserne Wahlurne zur Wahl der ersten und letzten frei gewählten Volkskammer der DDR – diese und weitere Objekte erinnern zukünftig im Humboldt Forum an das wichtigste Prestigebauwerk der DDR.

An kaum einem anderen Ort in Berlin haben sich in den letzten 800 Jahren gesellschaftliche, städtebauliche, politische und kulturelle Entwicklungen so verdichtet wie auf dem Schlossplatz. Die Geschichte des Ortes ist daher von zentraler Bedeutung, um die Architektur und das Konzept des Humboldt Forums zu verstehen. Eine besondere Rolle spielt dabei der Vorgängerbau des Humboldt Forums: der Palast der Republik.

Zwölf Objekte erinnern an den Palast der Republik

Vielen ist der Palast der Republik noch lebhaft in Erinnerung. Nach nur dreijähriger Bauzeit wurde das als „Haus des Volkes“ konzipierte, multifunktionale Gebäude 1976 fertiggestellt und bot attraktive Veranstaltungs- und Gastronomieangebote. Zuletzt prägten die Kontroversen um seinen Erhalt, die kulturelle Zwischennutzung und seinen Abriss ab 2006 die öffentliche Debatte. Ab 2020 werden zwölf Schlüsselobjekte aus dem Palast der Republik im Humboldt Forum zu sehen sein. Sie sind Teil von insgesamt 36 Spuren, die zukünftig an historische Ereignisse an diesem Ort erinnern.

Politischer Ort mit prachtvoller Ausstattung

Die gläserne Wahlurne diente der ersten und letzten frei gewählten Volkskammer der DDR für Abstimmungen und symbolisiert die Transparenz politischer Entscheidungen nach der friedlichen Revolution im Herbst 1989. Wegen seiner politischen Bedeutung wurde der Palast der Republik vom Ministerium für Staatssicherheit der DDR als besonderes Sicherungsobjekt eingestuft. Ein Monitor aus der ehemaligen Leitwarte sowie Videoaufnahmen deuten auf die fast lückenlose Überwachung von BesucherInnen und MitarbeiterInnen im Innen- und Außenbereich. Das von der Meißener Porzellanmanufaktur für das Palastrestaurant geschaffene florale Wandrelief vermittelt einen Eindruck von der aufwendigen und prachtvollen Inneneinrichtung. Der hohe Qualitätsanspruch zeigt sich in der Gestaltung des hinterleuchteten Leitsystems mit Piktogrammen von Klaus Wittkugel, das den damals modernen Designstandards in jeder Weise genügte.

Gläserne Wahlurne der Volkskammer im Palast der Republik
Überwachungsmonitor
Wandgestaltung aus Porzellan
Eisbecher

Inhaltlich und formal sehr unterschiedliche Kunstwerke wie das von Jo Jastram für das Foyer der Volkskammer geschaffene Bronzerelief mit dem Titel Lob des Kommunismus, von dem im Humboldt Forum nur ein kleiner Ausschnitt zu sehen sein wird, sowie das Gemälde Guten Tag von Wolfgang Mattheuer für die Palast-Galerie, bieten Anlass zu Diskussionen über die Bedeutung künstlerischer Auftragswerke in der DDR der 1970er Jahre. Ein Teller aus dem Palast-Restaurant und zwei Eisbecher aus der Milchbar sowie eine Collage aus Programmen, Plakaten und Filmausschnitten verweisen darauf, dass der Palast der Republik von einer breiten Öffentlichkeit vor allem wegen seiner vielfältigen gastronomischen Angebote und seines attraktiven kulturellen Veranstaltungsprogramms mit Stars aus Ost und West wahrgenommen wurde. Schließlich macht ein Foto der friedlichen Revolution vom Herbst 1989, die Darstellung der Märzrevolution 1848 sowie ein Foto der Novemberrevolution 1918 deutlich, dass dieser Ort jahrhundertelang von der Ausübung und Zurschaustellung von Macht geprägt und immer wieder ein umkämpfter Schauplatz politischer Auseinandersetzungen war.

Sammlung im Humboldt Forum

Am 19. September 1990 wurde der Palast der Republik aufgrund von Protesten der Mitarbeitenden wegen Asbestbelastung geschlossen. Vor Beginn der Sanierungsarbeiten im Mai 1998 wurden wesentliche Teile seiner Inneneinrichtung geborgen und sorgfältig dokumentiert. Die Bestuhlung aus dem Volkskammersaal, Schreibtische aus den Fraktionsbüros, Teile des Wegeleitsystems, Kugellampen, Teppichstücke und Garderobenständer, Marmorplatten aus dem Hauptfoyer, Möbel des Jugendtreffs und viele andere Ausstattungsstücke lagern seitdem in einem Depot der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (BImA) in Berlin Spandau.

Wesentliche Teile dieses Bestands – insgesamt 750 Objekte – hat die Stiftung Humboldt Forum im Berliner Schloss von der BImA übernommen. Dabei handelt es sich weniger um die weithin bekannten Gegenstände wie die Bilder der Palast-Galerie, die derzeit vom Deutschen Historischen Museum betreut werden. In erster Linie sind es Möbel und Inneneinrichtungen, die gleichwohl auf symbolischer und emotionaler Ebene eine kraftvolle Wirkung entfalten können. Damit verfügt die Stiftung Humboldt Forum über einen Grundstock an Objekten, die – zusätzlich zu den zwölf Spuren – zukünftig in wechselnden Ausstellungen im Humboldt Forum gezeigt werden können und die Chance bieten, sich fundiert mit der Geschichte des Palast der Republik auseinanderzusetzen.

Polster- und Armlehnstühle, 1970er/80er Jahre
Kugellampen des Stabwerkleuchtensystems
Saalreglertisch
Polsterstühle und Rundtisch mit Schachbrett, 1970er Jahre

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