Veranstaltung

In eigener Regie: Kind sein in Amazonien

datum 11. Januar 2018, 19:00
sprachen de, es
übersetzung de
tickets Eintritt frei, Anmeldung erforderlich, Einlass ab 18:30

Wie erleben Kinder in Amazonien ihre Welt? Wie und mit wem verbringen sie ihre Tage? Und was passiert, wenn sie genau das selber zeigen, die Kamera in die Hand nehmen, ihre Lebenswelt einfangen und Filme produzieren – in eigener Regie?

Das Humboldt Forum lädt zur Premiere mehrerer Kurzfilme von Kindern der indigenen Gruppe der Ye’kwana aus Venezuela ein. Im Gespräch mit der Vermittlungsexpertin Ute Marxreiter und der Ethnologin Andrea Scholz berichtet der indigene Filmemacher Kuyujani López Núñez von der Arbeit mit den Kindern und dem großen Potential dieses Projekts für das Humboldt Forum, das exemplarisch für eine Form der Zusammenarbeit mit den Herkunftsgesellschaften stehen kann.

Initiiert von der indigenen Organisation Kuyujani und Mitarbeitenden des Ethnologischen Museums haben Kinder der indigenen Gemeinschaft der Ye’kwana ihre eigene Lebenswelt in Amazonien im Süden Venezuelas mit der Kamera eingefangen. In eigener Regie – der Name des Projekts ist Programm. Nicht der Blick von außen sollte das Experiment prägen. Während Venezula derzeit Schlagzeilen über den Auschluss von Oppositionsparteien von der Präsidentenwahl macht, suchen die Indigenen in zahlreichen Regionen des Landes nach Absicherung ihrer Lebensgrundlagen. Die Kinder filmten ihren eigenen Alltag, zeigen, mit wem sie ihre Tage verbringen und wie sie ihre Welt erleben. In verschiedenen Workshops machten sie erste Schritte als Nachwuchsregisseure, erprobten das Schauspielen und die Kameraarbeit und produzierten mehrere dreiminütige Filme, die jetzt in Berlin erstmals der Öffentlichkeit gezeigt werden.

Das Gespräch findet im Rahmen der Ausstellung Vorsicht Kinder! geschützt, geliebt, gefährdet statt.

ANMELDUNG

Wir bitten um verbindliche Anmeldung bis zum 10. Januar 2018. Aufgrund limitierter Kapazitäten können wir Ihnen einen Sitzplatz nur garantieren, wenn Sie Ihre Karte am Veranstaltungstag bis 18:45 Uhr abholen. Für spontane Gäste steht ab 18:45 Uhr ein begrenztes Kartenkontingent an der Abendkasse zur Verfügung.

Hintergrund

Das Humboldt Forum wird ein Ort der Begegnung und des Austausches sein, ein Ort der unterschiedliche Perspektiven und Kulturen zusammenführen wird. Eine Grundvoraussetzung dafür ist die Zusammenarbeit mit Vertretenden der einzelnen Kulturen. Exponate können nur gemeinsam mit ihren Herkunftsgesellschaften erforscht werden. Und nur mit ihnen gemeinsam können Einblicke in ihre heutigen Lebenswelten gewonnen werden. Doch wie konkret gestaltet sich eine solche Zusammenarbeit?

Der intensive Austausch mit den Ye’kwana hat 2014 begonnen, als Mitarbeitende des Ethnologischen Museums in Zusammenarbeit mit der dortigen indigenen Hochschule ein Konzept für eine Onlineplattform zur gemeinsamen Forschung an den Objekten im Museum entwickelt haben. Im Rahmen eines größeren Projekts werden nun weitere indigene Bildungseinrichtungen und Organisationen in Brasilien, Kolumbien und Venezuela eingebunden. Gleichzeitig vertiefen Projekte wie In eigener Regie die Zusammenarbeit mit einzelnen Ethnien der Region. Im Humboldt Forum werden die Filme der Kinder in den Juniorflächen des Ethnologischen Museums zu sehen sein und sollen zudem über eine Webplattform auch anderen Kindern in der Welt Lust machen, ihre Welterfahrung in Filmclips festzuhalten und zu teilen.

Saúl Kuyujani López Nuñez ist Ye’kwana und hat an der Universidad Nacional Experimental Indígena del Tauca (UNEIT) mit Schwerpunkt auf audiovisuellen Medien studiert. Seit 2014 arbeitet er im Kooperationsprojekt Geteiltes Wissen mit. Im Rahmen seines Studiums an der UNEIT hat Herr López die Geschichte Dijaawa Wotunnöi zusammen mit Ältesten der Ye’kwana recherchiert und für den Schulunterricht in Venezuela angepasst. Das dabei entstandene Buch lieferte die Grundlage für den Film Dijaawa Wotunnöi – cuento ancestral de Dijaawa, zu sehen in der Ausstellung Vorsicht Kinder!

Ute Marxreiter hat Theaterwissenschaft, Kunstgeschichte und Englische Literatur studiert. Seit 2002 ist sie in der Kunst- und Kulturvermittlung tätig und seit 2014 wissenschaftliche Mitarbeiterin für Vermittlung am Ethnologischen Museum und am Museum für Asiatische Kunst Berlin. Derzeit entwickelt sie die Juniorflächen und die Familienspur für das künftige Humboldt Forum.

Andrea Scholz ist Ethnologin und arbeitet seit 2012 im Ethnologischen Museum Berlin. Nach ihrem Volontariat dort war sie Mitarbeiterin des Humboldt Lab Dahlem, seit 2016 leitet sie das Forschungsprojekt Geteiltes Wissen, eine Kooperation mit verschiedenen indigenen Bildungseinrichtungen und Organisationen in Brasilien, Kolumbien und Venezuela.

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