Drei Fragen an ... Lavinia Frey

„Kosmosdigital Humboldt Forum“ wird eigens für die virtuelle Plattform des Projektes „museum4punkt0“ konzipiert – ein Ideenlabor für digitale Anwendungen in deutschen Museen. Lavinia Frey, Vorstand Kultur der Stiftung Humboldt Forum im Berliner Schloss und Geschäftsführerin der Humboldt Forum Kultur GmbH, hat uns drei Fragen zum Projektstart beantwortet.

Welche Erwartungen haben Sie an museum4punkt0?

Die Bewahrung und Vermittlung des kulturellen Gedächtnisses ist eine der Aufgaben der Museen. Wir wissen, dass heute ein erster Zugang zu Informationen über das Internet stattfindet. Eine offene Welt, die jedoch auch stark von kommerziellen Interessen bestimmt wird. Hier stellt sich die Frage, wie wir kulturelles Erbe jenseits merkantiler Absichten darstellen und schützen können. Mit der Unterstützung des Bundes ist es nun erstmals möglich, institutionsübergreifend und unabhängig von kommerziellen Plattformen Strategien und Standards zu entwickeln, die die Museen befähigen in der digitalen Realität anzukommen. Das ist für die Unabhängigkeit unserer Einrichtungen von hohem Wert.

Aus Ihrem heutigen Blickwinkel: Wie profitieren Museen und deren Besucher von digitalen Medien und der Digitalisierung?

In den letzten zwei Jahrzehnten hat die Digitalisierung alle unsere Lebensbereich erfasst und eine völlig neue Verbreitung von Wissen ermöglich. Durch sie sind Informationen leicht zugänglich und stehen für alle offen – ganz im Sinne der Humboldtschen Idee von Bildungsgerechtigkeit. Das ist insbesondere für das Humboldt Forum wichtig, da hier alle die Welt als Ganzes von überall erforschen und verstehen können. Durch digitale Medien können wir zudem völlig neue Formate der Vermittlung innerhalb der Einrichtungen anbieten und bei den Besuchern Interesse und Verständnis für das wecken, was sie im Museum sehen und erleben können. Und schließlich ermöglicht uns die Digitalisierung zu evaluieren, was die Besucher wirklich besuchen und sehen. So können wir die Ausstellungen ständig verbessern und attraktiver machen.

Da die Mittel nun bewilligt sind: Womit werden Sie beginnen?

Ideen sind gut, erst in der Umsetzung zeigt sich jedoch ihr wahres Potenzial. Und für die Realisierung sind Experten notwendig, die die kuratorischen Inhalte mit der aktuellen Technik zusammendenken und verbinden können. Als erstes werden wir daher ein Team zusammenstellen, das „kosmosdigital Humboldt Forum“ verwirklichen und dabei hoffentlich den einen oder anderen Schatz heben wird.

Die Fragen stellte Julia Lerche. Das Interview wurde erstmals von der Stiftung Preußischer Kulturbesitz veröffentlicht.