4 + 4 = 2

Mit der fertigen Rekonstruktion der Schlossfassade auf der Lustgartenseite verfügt Berlin nun über zwei rekonstruierte Portale 4.

Am 9. August dieses Jahres war es soweit: Mit dem Versetzen der Serliana des Portals 4 wurde die Lustgartenfassade des Humboldt Forums fertiggestellt. Das Verputzen der Mauerwerksflächen und die Spenglerarbeiten konnten termingerecht beginnen. Berlin verfügt nun über zwei rekonstruierte Portale 4: eines an der Schlossfassade auf der Lustgartenseite, derzeit allerdings noch eingerüstet und daher noch nicht sichtbar, sowie das sogenannte Liebknechtportal am alten Staatsratsgebäude. Dieses war zu Beginn der 1960er Jahre rekonstruiert worden. Dies in Erinnerung daran, dass Karl Liebknecht vom Balkon des Portals 4 während der Novemberrevolution die „Sozialistische Republik Deutschland“ ausgerufen haben soll.

Das Liebknechtportal enthält originale Teile. Denn die Portale 4 und 5 waren durch den Krieg nur gering beschädigt worden und einige Elemente hielten gar der Sprengung 1950 stand und konnten von Bildhauern gerettet werden. Fehlende oder beschädigte Teile wurden für die Rekonstruktion ergänzt, allerdings nicht originalgetreu. Dies wollte man im Rahmen des Projektes Humboldt Forum im Berliner Schloss vermeiden. Von den am Liebknechtportal erhaltenen originalen Bildhauerstücken fertigte man im Jahr 2010 Scans an, auf deren Grundlage man 3D-Prints in Originalgröße herstellte. Nicht originalgetreue Details rekonstruierte man nach historischen Fotos und Vorlagen von Modellbildhauern. Die so überarbeiteten Prints dienten dann Steinbildhauern und Steinmetzen als Punktiervorlagen für die Anfertigung der neuen Sandsteinkopien. Die Arbeiten nahmen ein Jahr in Anspruch.

Das Portal in seiner Ganzheit ist ein wahres Schwergewicht. Mit 18 Metern Breite und einer Höhe von 29 Metern, spannt sich der Portalbogen mit 6 Metern über dem Fenster und ist bis zur Krone mit dem bronzenem Reichsapfel mit Kreuz ca. 7 Meter hoch. Allein dafür wurden über 60 Tonnen sächsischen Sandsteins originalgetreu verbaut. Dabei wurde darauf geachtet, möglichst die gleichen Fugenschnitte aufzunehmen. Die Versetzer arbeiteten nach den alten Versetztechniken, lediglich die Verankerungen sind heute aus genormtem Edelstahl.

Berlin hat nun tatsächlich zwei rekonstruierte Schlossportale 4. Durch die originalgetreue Rekonstruktion der Fassade am Humboldt Forum werden nach der Entfernung der Gerüste allerdings Unterschiede zum Portal am Staatsratsgebäude deutlich, beispielweise bei der Armhaltung der Pilasterfigur des Winters. Oder dass am Liebknechtportal unter dem Balkon im ersten Geschoss die Adlerkartusche fehlt.

Die Serliana

Das Motiv der Venezianischen Fenster, auch Serliana genannt, ist in der Renaissance aus der Konstruktion der antiken Triumphbogen entwickelt worden. Gebildet wird es durch zwei seitliche und ein mittleres Fenster. Das mittlere Fenster ist überhöht und mit einem runden Oberlicht, dem Okuli, bekrönt. An der Lustgartenfassade des Berliner Schlosses gab es zwei dieser venezianischen Fenster mit unterschiedlichen Breiten. An den Portalen 4 und 5 waren sie durch den Bildhauerschmuck, wie Kronen, Helme, Kartuschen mit Adlern, Posaune blasende Famen und Genien, Kapitelle und Festons, besonders prächtig verziert. Besonders beeindruckend sind auch die jeweils zwei Hermenpilaster, die den Balkon unter der Serliana tragen. Sie verkörpern die vier Jahreszeiten Frühling, Sommer, Herbst und Winter. Die erhaltenen originalen Fragmente der Pilaster Frühling und Sommer wurden übrigens restauriert und wieder in die Fassade eingefügt.

Hans-Dieter Hegner
ist Vorstand für den Baubereich der Stiftung Humboldt Forum im Berliner Schloss.

Bertold Just
ist Leiter der Schlossbauhütte, ebenfalls Stiftung Humboldt Forum im Berliner Schloss.

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